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Wellen von Menschen schritten vorüber, schritten der Ferne entgegen. Ein Band aus wogenden,
wankenden Leibern zog dorthin, vorbei an Steffens Platz.
Wo war Steffen?
Der junge Mann konnte keine Erklärung finden. Er war hier und dort, oben und unten, überall
und nirgends. Gedanken flogen vorbei, schrien durch die Leere, durch seinen Geist.
Oder etwa nicht?
Waren es etwa keine Gedanken?
Vielleicht Irrlichter, Irrglaube, erschaffen aus dem Wahnsinn der Situation, dem Chaos,
welches um ihn herum zu herrschen schien?
Hatte er sich nicht erst kürzlich in sein Bett gelegt?
Warum stand er hier - auf einem mächtigen Felsen -, ... aufrecht, wie, um über die Brandung
der zu Fleisch gewordenen Fluten zu thronen?
Fragen stürzten auf ihn ein. In unzyklischen Abständen, leise, dann wieder schreiend, laut
brüllend. Stimmen wiederholten: "Wer bin ich? Wo bin ich? Wie bin ich hier hingelangt?"
Rätselhafte Fragen, rätselhafte Situation, aber keine Antworten oder auch nur Ahnungen, die
eine Richtung vorgaben.
Wohin sein Auge zu fliehen versuchte, die Fragen verfolgten ihn, wurden immer zahlreicher,
mächtiger, wurden Getöse.
Die Kette aus Leibern marschierte an Steffen unaufhaltsam vorüber, ohne die geringsten Anzeichen
von Müdigkeit zu zeigen, noch irgendein Anzeichen von menschlichen Schwächen oder gar Emotionen,
seien sie weinend, lachend, schreiend, schmollend, schwitzend, frierend dargebracht.
Steffens Verlangen nach Sprache, Berührung, nach menschlicher Wärme wurde immer stärker, schien
kaum mehr zu bändigen, kaum noch beherrschbar zu sein.
Aber wie sollte dies geschehen?
Wie sollte er sein Verlangen befriedigen, angesichts der Trostlosigkeit, die ihn umgab?
Stummes Fleisch, das seinen Platz umspülte. Menschliche Massen, die Steffen nicht berühren konnte,
noch anders zu erreichen waren, er stand zu hoch!
Waren es Menschen? Waren diese Horden menschlich? Waren es nicht eher Trugbilder, Abbilder des
menschlichen Originals?
Gedanken flogen dahin, ihm stockte der Atem. Ein Flüstern durchzog das Getöse der Fragen. Erst
schwach, dann deutlicher und deutlicher, bis es sich schließlich die volle Aufmerksamkeit des
Mannes gesichert hatte.
Steffen hörte: "Diese Leiber kommen von irgendwo und gehen nach irgendwo, vielleicht auch nirgendwo.
Sie ziehen dahin, tun niemanden etwas zuleide. Vielleicht sind es nur Geister, vielleicht Körper
von Toten. Ausschließen kann eines das andere nicht. Aber wenn eine Kreatur die wenigsten Ansätze
an Menschlichkeit zeigt, dann wohl doch wir Menschen selber! Zeigen wir alle nicht immer und
immer wieder, wie perfekt, pervers, liebkosend wir mit Gewalt schwanger gehen? Und dies mit einem
Szenario an menschlichen Möglichkeiten, welches wahrlich nur schwer überschaubar scheint!"
Die Kälte drang durch seine Kleidung. Seine Blicke suchten einen Ausweg - einen gangbaren Pfad -,
weg von diesem Felsen, hinunter auf die wüst erscheinende, weite, triste Ebene. Dorthin, wo die
Füße im Gleichklang der Glieder stampften. Kommend aus der Ferne, verschwindend in der Ferne,
hinfort über die Weite der unglaublichen Fläche.
Leiber näherten sich, aber niemals blieb jemand stehen oder verharrte auch nur kurz. Keine Blicke
erhoben sich, keiner sah empor zu dem jungen Mann, der auf dem einzigen Felsen in dieser Wüste
stand.
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