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Draußen, vor dem Fenster der kleinen Holzhütte, tanzten die Schneeflocken einen wilden
Tanz im Nordwind. Vor kurzem war die Sonne am westlichen Horizont in die Tiefen des
schneebedeckten Landes abgetaucht. Vereinzelnd lukten die Sterne des Nachthimmels,
gleich kleiner Diamanten, durch die dunklen Wolkenberge, welche sich am Abend über
dem Lande aufgetürmt hatten. Vom Wind vorangetrieben, der mit eisiger Kälte über das
weiße Land dahinjagte, verbauten nachfolgende Wolken aber wieder die Sicht auf das
Lichtspiel in der Milchstraße.
Carola schaute aus dem kleinen Fenster der Hütte. Ihr Blick wirkte nachdenklich, betrübt,
vielleicht gar traurig.
"Wie eine gewaltige Schlacht der Elemente", dachte sie.
Auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes flackerte das Feuer im Kamin, um dann wieder ruhig
zu brennen und ab und an konnte man ein leises Knistern oder Knacken hören. Das milde Licht der
Flammen und die wohligen Wellen der abstrahlenden Wärme verbreiteten eine heimelige, ja, geradezu
festliche Stimmung in der kleinen Hütte am Hang.
Carola verlies ihren Platz am Fenster und kehrte zurück auf ihren alten Schaukelstuhl, ein Geschenk
ihres Großvaters, der nun am Rande des Feuerscheins im Raum stand. Der alte Rattanstuhl war mit
einigen Kissen und zwei wollenen Decken ausgepolstert, die Carola am Nachmittag mit hinauf zur
Hütte gebracht hatte.
Die junge Frau lehnte sich etwas in ihrem alten Schaukelstuhl zurück. Leise knarrend beantworteten
die Holzbohlen des Fußbodens die Bewegungen des Stuhls. Caro, wie sie häufig gerufen wurde,
kuschelte sich nun noch tiefer in ihre dicken Wolldecken und betrachtete träumerisch die tanzenden
Flammen auf dem Holzscheit im Kamin.
Draußen klopfte ein eisiger Wind an das Gebälk. Ab und zu heulte und pfiff es in den Fugen der
Blockhütte und dicke Schneeflocken klatschten an das Glas des Fensters und bildeten manchmal
blumige Muster.
Die junge Frau lies ihre Gedanken wandern. Während sie in das flackernde Licht des lodernden
Kaminfeuers schaute, kamen ihr die alten Bilder, Bilder von vergangenen Begebenheiten, von
Erlebnissen in den Sinn. Ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Familie und ihre Freunde, einfach ein
komplexer, manchmal verwirrender Film ihrer eigenen Gedanken und Erinnerungen.
Vor einigen Stunden war sie durch den tiefen Schnee, hinauf zu der Hütte gekommen. Sie wollte einmal
allein sein, um mit ihr - ihren Gedanken - ins Reine zu kommen.
Was hieß, ins Reine zu kommen?
Dirk hatte ihr heute vorgeworfen, dass sie immer alles gleich für bare Münze nehme, es sogleich
überbewerte und sofort auf sie bezöge - selbst wenn es doch nur Spaß sei.
Aber verdammt, manchmal wusste man einfach bei den Jungs auch nicht, was als Spaß gedacht, was
Ernst gemeint und was dazwischen angesiedelt zu sein schien. Zugegeben, so manches Mal hatte sie
auch Dinge vom Stapel gelassen, die sicherlich ungerecht waren oder gemein, da war dann die Zunge
schneller, als das Gehirn oder auch die Wut größer, als die Vernunft. Vielleicht auch eine
Bemerkung unterhalb der Gürtellinie, wo die Männer - bekanntlich - etwas empfindlich reagieren.
Aber die Jungs sollten doch auch einmal etwas feinfühliger sein, ihr einfach nur einmal zuhören,
richtig zuhören und nicht mit ihren Gedanken schon ums Eck vorgelaufen sein. War das denn zu viel
verlangt?
Obwohl es in der kleinen Hütte mollig warm war, fror Carola doch einwenig. Auf dem Tischchen, der
neben dem Schaukelstuhl stand, sah man eine große Tasse - einen Pott. Der milde Geruch aus dem
Gefäß, das gefüllt war mit warm dampfendem Tee, erinnerte sie an das Heißgetränk. Vorsichtig, mit
kleinen Schlucken, trank die Frau etwas und behielt die Tasse mit beiden Händen umschlungen, um
diese auch als Handwärmer zu nutzen.
Ihre Gedanken schweiften wieder vom Tee ab und Caro musste sich eingestehen, dass sie sich in
diesem Moment ziemlich einsam fühlte, vielleicht auch etwas verloren.
"Nein, du bist nicht der Mensch, um lange alleine zu bleiben. Nun wäre es doch sehr schön, wenn
Freunde da wären und sie würden diese Hütte mit Leben füllen. Zumindest Dirk sollte hier sein -
ja!"
Sie flüsterte die Worte in Richtung des Feuers, welches weiterhin knisterte und manchmal auch
knackte.
Langsam begannen ihre Augen, durch den karg eingerichteten kleinen Raum zu wandern. Verließen die
Glut und Flammen im Kamin und glitten über den kleinen Tisch, das Bett in der Ecke, vorbei am
kleinen Fenster, welches schon fast völlig mit weißem Schnee bedeckt schien, hinüber zur alten,
schweren, hölzernen Eingangstür. Der Fußboden bestand großteils aus schweren hölzernen Bohlen und
der Kamin war komplett aus Natursteinen gemauert.
Sie spürte, dass ihr die Augenlieder schwer wurden und schaute nun wieder in das wärmende Feuer,
dessen Flammen zuckten und tanzten, wie kleine Feuergeister aus der Märchenwelt.
Leise klopfte es an der Tür: Poch, poch, poch, drei leichte Schläge an das hölzerne Portal. Carola
schreckte etwas auf. Wer würde denn jetzt hier oben unterwegs sein? Und wer sollte sie hier und zu
dieser Zeit besuchen kommen - bei dem Wetter?
Poch, poch, poch - da, schon wieder! Jetzt aber schon viel deutlicher, fordernder!
"Es werden wohl die Freunde sein. Die konnten sich ja denken, dass ich hier oben sein würde", macht
sie sich Mut.
"Ich komme!"
Sie schälte sich aus den Decken und ging zum Eingang der Hütte. Entriegelte das alte, angerostete
Schloss und öffnete langsam die Tür, begleitet von einem leicht quietschenden Knarren.
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